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Des Kanzlers neue Kleider

Foto: Kanzlers neue Kleider

Die Bundesregierung vereinheitlicht die Logos von Ministerien, Kanzleramt und der „Republik Österreich“.

Im Mai war war es endlich soweit: die neuen, einheitlichen Logos der Regierung wurden präsentiert. Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal erklärte, dass die neuen Logos der Ministerien dem „einheitlichen Außenauftritt“ dienen. Und außerdem den Bürgern „einen hohen Wiedererkennungswert und damit einhergehend eine höhere Service-Orientierung in der Verwaltung“ bieten.

„Der Außenauftritt der Bundesregierung ist visueller Ausdruck ihrer Identität. Der Anspruch, einen neuen, gemeinsamen Stil in die Regierungspolitik zu bringen, soll sich daher auch im grafischen Erscheinungsbild der Bundesregierung fortsetzen.“, so heißt es im entsprechenden Vortrag an den Ministerrat.

Österreich folgt mit diesem Konzept anderen Regierungen, wie Deutschland, Großbritannien oder Niederlande, die schon länger auf ein einheitliches Erscheinungsbild setzen.

Neue Kompetenzen = neue Logos?

Weil mit dem Regierungswechsel im Jahr 2017 Kompetenzen verschoben wurden, musste das Bundesministeriengesetz geändert werden. Am 8. Jänner 2018 trat es in Kraft. Damit haben auch viele Ministerien neue Namen: statt „Bundesministerium für Gesundheit, Frauen und für Familie und Jugend“ heißt es nun „Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz“. Das Landwirtschaftsministerium (Landwirtschaft und Umwelt) wurde zum „Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus“ usw…

Die übliche Vorgangsweise wäre ein Sturm auf Kreativagenturen gewesen. Schließlich muss man das jeweilige Erscheinungsbild überdenken und die Kommunikation neu aufstellen. Und was liegt näher, als den individuellen, persönlichen Stil des jeweiligen Ressortleiters einfließen zu lassen? Man will doch Spuren hinterlassen – mit neuen Gesetzen und einem knackigen Logo.

Der Logo-Salat

Der daraus resultierende Logo-Salat führte die Jahre zuvor zu einem inhomogenen Erscheinungsbild. Die Ausarbeitung der unterschiedlichen Auftritte belastete außerdem die jeweiligen Budgets. Der Nutzen individueller Auftritte der Ministerien war fragwürdig.

Bisher beauftragten neue Minister für die Erstellung der neuen Logos gerne externe Agenturen. Niemand griff dabei tiefer in die Tasche als das Finanzministerium (BMF) unter Karl-Heinz Grasser. 2004 leistete sich das BMF ein neues Logo, es wurde vor Kurzem durch das aktuelle Logo ersetzt. Kostenpunkt damals: 107.000 Euro. Beauftragt wurde die internationale Agentur Ogilvy & Mather mit Sitz in Manhattan, New York. Laut Auskunft des Ministeriums war die Agentur der Bestbieter…

Die neuen Logos

Bei der neuen Bildmarke handelt es sich um eine adaptierte Form der rot-weiß-roten Flagge Österreichs. Der Ursprung des Logos dürfte im Außenministerium liegen, das sich und seine Dependancen bereits zuvor mit einem ähnlichen Logo ausstattete:

Mit nur wenigen Adaptionen entstand so das Basis-Logo der neuen Ressorts, das etwas sachlicher, fast schon statisch wirkt. (Übrigens: den direkten Vergleich zwischen Alt und Neu findet man z.B. in den Facebook-Profilbildern des Außenministeriums.)

Fazit: Leider ist die Verwechslungsgefahr bei diesem Konzept recht groß: man muss die gesamte Wortmarke lesen, um die Ressorts und Zuständigkeiten erfassen zu können. Dennoch ist die Entscheidung, auf ein einheitliches Erscheinungsbild zu setzen, auf jeden Fall der richtige Weg. Das zeigt Stärke, bietet Gleichstellung zwischen den Ressorts und spart dem Bürger Geld.

Quellen: Designtagebuch, Dossier.at / Teaserfoto: Kremlin.ru, CC-BY 4.0, Link (bearbeitet)